Das Spiel mit der Täuschung

Unzuverlässiges Erzählen in "WhoAmI – kein System ist sicher"

Autor/innen

  • Tiziana Tarzia

DOI:

https://doi.org/10.54717/kidsmedia.7.2.2017.5

Schlagworte:

Erzähltheorie, Literatur und Film, Erzählstrategie

Abstract

Was ist eigentlich los? Dies ist die Frage, die sich wahrscheinlich allen Zuschauerinnen und Zuschauern aufdrängt, nachdem sie WhoAmI – kein System ist sicher aus dem Jahr 2014 zum ersten Mal geschaut haben. Der Film fügt sich in eine seit Jahren immer grösser werdende Gruppe von Filmen ein, die durch ihre unzuverlässige Erzählung, vielschichtigen Figuren, ineinander verwobenen Handlungsstränge und komplexe Sachverhalte das Verständnis der Geschichte erschweren und sowohl die Figuren als auch die Zuschauerschaft an der Nase herumführen.

In WhoAmI findet sich Benjamin, ein von der Gesellschaft ignorierter Aussenseiter, durch eine Reihe unglaublicher Ereignisse an der Spitze der Liste der meistgesuchten Hacker der Welt. Zusammen mit seinen drei Freunden Max, Stephan und Paul hat er einen deutschen Spion auffliegen lassen, der russischen Cybermafia FR13NDS Steine in den Weg gelegt und sogar den Nachrichtendienst Deutschlands gehackt. Doch es kommt, wie es kommen muss, und am Schluss stellt er sich der Polizei und erzählt Kommissarin Hanne Lindberg seine Geschichte. Allerdings fällt nicht nur ihr, sondern auch den Zuschauerinnen und Zuschauern auf, dass irgendwas an seiner Geschichte nicht ganz aufgeht. Hat Benjamin eine gespaltene Persönlichkeit, sich seine drei Freunde nur eingebildet und ist durch Grössenwahn in eine Sache reingerutscht, die er mit seinem Leben bezahlen könnte? Haben wir wirklich alles falsch verstanden und haben uns komplett täuschen lassen? WhoAmI nutzt alle Möglichkeiten der unzuverlässigen Erzählung, um uns in die Irre zu führen. Es wird Unwahres gezeigt, Wahres in Frage gestellt und Fehlendes sowohl auf der Handlungs- wie auch auf der Rezeptionsebene unbewusst ergänzt, so dass alle ein ums andere Mal getäuscht werden. Gleichzeitig versteckt der Film Warnsignale auf der Dialog-, Bild- und Textebene und gibt uns die Chance, das Spiel zu durchschauen. Und genau das macht den Reiz aus, den Film ein zweites Mal zu schauen.

Im Beitrag wird anhand von WhoAmI auf erzähltheoretischer Basis erklärt, wie Erzählstrategien aus Literatur und Film die Irreführung ermöglichen können. Zudem werden spezifische Elemente der unzuverlässigen Erzählweise analysiert und mögliche Warnsignale herausgearbeitet.

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Veröffentlicht

2017-09-01

Zitationsvorschlag

Tarzia, T. (2017). Das Spiel mit der Täuschung: Unzuverlässiges Erzählen in "WhoAmI – kein System ist sicher". kids+media : Zeitschrift für Kinder- Und Jugendmedienforschung, 7(2). https://doi.org/10.54717/kidsmedia.7.2.2017.5