Gudrun Pausewang im Jahr nach Fukushima: Zur Produktion politisch engagierter Jugendliteratur am Beispiel von "Noch lange danach"

Uwe Jahnke

Zusammenfassung

Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, im Frühjahr 2012, veröffentlichte die Kinder- und Jugendbuchautorin Gudrun Pausewang bei Ravensburger das Jugendbuch Noch lange danach, das sich mit den Langzeitfolgen eines fiktiven atomaren Super-GAUs befasst. Die Autorin hatte nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl (1986) mit ihrem 1987 erschienenen Bestseller Die Wolke, einem fiktionalen Jugendbuch, die politische Diskussion um die Probleme und Fragen der Atomenergienutzung wesentlich mitbestimmt; das Buch wurde geradezu zu einem Kultbuch der weltweiten Anti-AKW-Bewegung. Nun knüpfte sie mit Noch lange danach an ihr damaliges Engagement in der Atomenergie-Frage an, die die Autorin bis heute beschäftigt. Als jugendliterarische Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima zeigt Noch lange danach, wie sehr bei Pausewang gesellschaftliches bzw. politisches Engagement und literarische Produktion miteinander verbunden ist.

Der Beitrag geht der Frage nach, inwieweit diese enge Verzahnung exemplarisch Einblicke in die gegenwärtige Produktion von politisch engagierter Jugendliteratur ermöglicht. Als Materialgrundlage der Studie dienen u.a. die Medienauftritte der Autorin unmittelbar nach der Katastrophe in Fukushima, ihre Äusserungen bei einer Anti-AKW-Demo und im Vergleich dazu ihr Roman Noch lange danach,einschliesslich Nachwort und Gesprächen rund um diese Buchpublikation. Deutlich wird u.a., dass es der Autorin grundsätzlich weniger um die Verbreitung von Ängsten besonders unter Jugendlichen geht, als vielmehr darum zu warnen und auch Jugendliche dazu zu bewegen, in den politischen Diskurs einzugreifen und sich auf diese Weise für die eigene Zukunft zu interessieren und wenn möglich zu engagieren.

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