"Was ist denn das für eine Stille da draussen?" Sterben und Tod in Bilderbüchern der Gegenwart

Florinne Egli

Zusammenfassung

In den letzten fünfzehn Jahren sind im deutschsprachigen Raum zahlreiche, vielfältige Bilderbücher erschienen, die sich mit Sterben und Tod auseinandersetzen. Der Beitrag befasst sich mit 33 solcher Bilderbücher, zwischen 2000 und 2011 erschienen. Anhand dieser Auswahl wird gezeigt, wie Sterben und Tod in Text und Illustration dargestellt und thematisiert werden. Zudem wird diskutiert, welche Mentalitäten sich jeweils ausmachen lassen und welche Wirklichkeitsvorstellungen innerhalb einer Gesellschaft oder Gruppe von Bedeutung sind. Der Fokus liegt dabei auf der Verwendung von Metaphern, Symbolik und Jenseitsvorstellungen.

Metaphern wie Sterben als Reise oder Tod als Schlaf verhelfen zu Assoziationen und machen schwierig fassbare Begriffe leichter verständlich. Auf der illustrativen Ebene lassen sich zahlreiche Symbole im Zusammenhang mit Trauer und Tod erkennen. Es zeigt sich, dass in einem Grossteil der Bücher eine Symbolik – fast ausschliesslich aus der Natur – verwendet wird, durch welche sich neue Bedeutungsebenen eröffnen. So finden sich zum Beispiel Hinweise auf die Existenz eines Jenseits oder den Glauben an eine zyklische, sinnhafte Natur. Die starke Verwendung von Metaphorik und Symbolik macht deutlich, dass der Umgang mit der Thematik des Todes meist nur in verschlüsselter Form erfolgt.

In den meisten Büchern findet sich eine Auseinandersetzung mit einem – wenn auch stark säkularisierten – Jenseits. Dieses vermag die Angst vor dem Tod zu schwächen. Wichtige Komponenten sind dabei die Reduzierung des Sterbens auf einen blossen Übergang, die Konkretisierung diffuser Vorstellungen anhand eines Ortes, Hoffnung auf Besserung oder ein Wiedersehen und somit auch die Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Sterben und Tod: Es geht weiter. In vielen Büchern ist das Jenseits jedoch nicht ein externer, verborgener Ort, sondern ein ‚Jenseits im Kopf‘, das den Hinterbliebenen durch Erinnerungen an den Verstorbenen dessen ‚Weiterleben‘ garantiert und teilweise sogar ein gedankliches Treffen ermöglicht.

Angst wird in den Büchern nicht explizit thematisiert, doch wird ein angstfreier Zugang zu Sterben und Tod vermittelt, indem sie – unter anderem mittels Metaphern, Symbolen und Jenseitsvorstellungen – als 'normal', 'natürlich', als Teil eines Kreislaufes oder aufgrund eines Lebens nach dem Tod als sinnvoll gezeigt werden. Sterben und Tod werden also in Sinnzusammenhänge eingebettet, die den Umgang mit ihnen erleichtern.

zurück