Manga – Der kulturspezifische japanische Comic?

Ramona Kahl

Zusammenfassung

Comicangebote aus Japan, sogenannte Manga, bestimmen seit Mitte der 1990er Jahre den Markt der Bildergeschichten in Europa und den USA. Der internationale Erfolg der Comiclektüre aus Japan hat in der europäischen und US-amerikanischen Fachdiskussion zu einer Reflexion der kulturbedingten Eigenheiten des Comicformats geführt. Anhand einer Auseinandersetzung mit den Positionen von Jens R. Nielsen, Bernd Dolle-Weinkauff, Jaqueline Berndt und Scott McCloud geht der Beitrag der Frage nach den japanischen Spezifika von Manga im Bereich der Erzählinhalte und Erzählformen nach.

Als theoretische Grundlage dient zum einen eine Bezugnahme auf den bedeutungs- und wissensorientierter Kulturbegriff, der die Dynamik, innere Heterogenität und Durchlässigkeit von Kultur im Blick hat. Zum anderen wird auf die Gattung des Comics als visuelle Narration rekurriert, die trotz ihrer Bildhaftigkeit dennoch dem Prinzip der Schriftsprachlichkeit verhaftet ist.

Vor diesem kultur- und comictheoretischen Hintergrund stellt sich der Diskurs zur Kulturspezifik von Erzählmotiven und Erzählstrategien von Manga tendenziell als eine kulturalistische Debatte dar. Die kulturelle Herkunft etwaiger Eigenheiten von Manga kann nicht überzeugen. Es wird stattdessen die Position vertreten, dass Manga eine spezifische Ausgestaltung der Erzählmöglichkeiten des Comics darstellen und Ausdruck einer globalen, transkulturellen Populärkultur sind, die sich unter dem Einfluss der marktökonomischen Kulturindustrie Japans ausgestaltet hat.

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