Zwischen Unschuld, Fantasie und Trauma. Kindheit bei Tim Burton

Editorial

 

Mit Zwischen Unschuld, Fantasie und Trauma. Kindheit bei Tim Burton erscheint nun die zweite Ausgabe von kids+media mono, bestehend aus einem grossen Beitrag statt vier bis fünf kleineren.
Der Beitrag stammt von Felicitas Stillhard, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit der Darstellung von Kindheit in den Filmen von Tim Burton befasste. Burtons Filme schreiben sich in die Verhandlung von Kindheit ein, nicht nur, weil Kinder in seinen Filmen immer wieder vorkommen, und nicht nur, weil sie bei ihm zentrale Handlungsträger*innen sind, sondern weil seine Darstellung von Kindheit, die er als von Unschuld, Fantasie und Trauma durchwoben versteht, Elemente verschiedener Kindheitsbilder evoziert. Diesen auf der Pädagogik der Aufklärung und der Literatur der Romantik gründenden und sich durchaus auch widersprechenden Bildern von Kindheit bei Tim Burton geht Felicitas Stillhard in ihrer Untersuchung nach.
Wir wünschen unserer Leserschaft erhellende und anregende Momente bei der Lektüre, aber auch erholsame Feiertage und einen guten Jahreswechsel! Die nächste Ausgabe im Frühsommer 2019 wird noch einmal ein mono-Heft sein und zwar von Fabienne Saurer über kulturelle Identität, Pluralität und Hybridität in der US-amerikanischen Animationsserie Avatar – The Last Airbender.


Die Herausgeberinnen
Ingrid Tomkowiak und Meret Fehlmann
 

Zwischen Unschuld, Fantasie und Trauma. Kindheit bei Tim Burton

 

Felicitas Stillhard

 

Die Kindheit ist als Filmmotiv weit verbreitet und beliebt. Unsere Vorstellungen von Kindheit werden durch filmische Bilder geprägt; diese bestimmen unser Bild von Kindheit massgeblich mit. In den Filmen des US-amerikanischen Kultregisseurs Tim Burton spielen Kinder eine wichtige Rolle und sind mitunter Hauptträger der Handlung. Burtons Kinder sind oft missverstandene Aussenseiter oder Einzelgänger, da sie ‚irgendwie anders‘ sind als ‚normale‘ Kinder und daher ausgegrenzt werden. Ihre Kindheit zeigt Tim Burton als eine Mischung aus Unschuld, Fantasie und Trauma. Dabei behandelt er Erfahrungen von Glück und Leid, Tod und Leben, Exklusion und Inklusion, Konformitätsdruck, Entfremdung und Misstrauen gegenüber Erwachsenen; Imagination und Träume spielen ebenso eine Rolle wie Phantasiewelten als Refugium, und immer wieder werden Kindheitstraumata thematisiert. 
Die Untersuchung widmet sich den verschiedenen und zum Teil sich widersprechenden Bildern und Vorstellungen vom Kind und von Kindheit in ausgewählten Spielfilmen des Regisseurs Tim Burton. Anhand der Kategorien Unschuld, Fantasie und Trauma werden verschiedene Kindheitsbilder herausgearbeitet und eine Typologie von Burtons Kinderfiguren erstellt.